Johnen + Schöttle

We Are Stardust We Are Golden Women At Johnen + Schöttle Since 1984

16 Apr - 14 Jun 2008

© Katharina Fritsch
Weißer Karton und Schafe, 1982
7.9 × 5.9 × 5.9 inch
15.7 × 9.4 × 2.2 inch
envelope lining paper, plaster
WE ARE STARDUST WE ARE GOLDEN WOMEN AT JOHNEN + SCHÖTTLE SINCE 1984

Opening Wednesday, April 16th, 2008, 17-20
Until June 14th, 2008

Diese Ausstellung ist nicht in erster Linie eine Frauenausstellung, sondern ein historischer Rückblick mit Experimentalcharakter. Von Interesse ist es herauszufinden, wie ein veränderter zeitlicher Kontext auch die Wahrnehmung verändert. Dafür erschien mir die Kunst von Frauen besonders geeignet, da sich ihre Rezeption gerade in den letzten zwanzig Jahren dramatisch verändert hat. Künstlerinnen, die vor zwanzig Jahren kaum jemand zur Kenntnis nahm, werden heute hochgeschätzt. Es gab viele Gründe, weshalb die Zusammenarbeit mit 19 dieser 20 Künstlerinnen endete, der Hauptgrund lag jedoch in den meisten Fällen im beidseitigen Frust über Nichtbeachtung, Nichtverkäufe oder bösartige Häme.
Die Anregung zu dem Titel der Ausstellung enstammt einem Buch von Camille Paglia „Break, Blow, Burn“ über amerikanische Dichtung. Er ist der Refrain eines Songs mit dem Titel „Woodstock“ von Joni Mitchell von 1970. Ich fand ihn sowohl bildhaft wie offen genug, um sich als Titel für eine Ausstellung mit zwanzig sehr unterschiedlichen Positionen zu eignen. Zudem ist er geprägt von den Hoffnungen und dem Optimismus der 70er Jahre.
Die Ausstellung ist ein Rückblick auf 25 Jahre Galeriearbeit. Ich fand es gut, daß sowohl international anerkannte wie auch weniger etablierte Positionen vertreten sein würden.
Manche Künstlerinnen hatte ich ganz aus den Augen verloren. Es stellte sich heraus, daß alle noch künstlerisch arbeiteten, keine hatte resigniert oder aufgegeben. Die Ausstellung ist eine Mischung aus historischem Rückblick und aktuellem Stand der Dinge. Sie enthält Fotos, Dokumente und Kataloge aus den letzten 25 Jahren. In den achtziger Jahren sind auch einige Portaits beteiligter Künstlerinnen von Thomas Ruff entstanden.
Die erste Künstlerin der Galerie war Katharina Fritsch. Bei meinem ersten Besuch, ca. 1980, während der Vorbereitungen für die Publikation „Goldener Oktober“ (Kunstforum , 1982), trat sie bereits äußerst selbstbewußt auf und ließ keinerlei Zweifel darüber aufkommen, daß sie sich in einem damals noch männerdominierten Umfeld durchsetzen wollte. Ihre Arbeit wurde sehr schnell in Europa und Amerika anerkannt. Amerikanische Galerien und Künstler setzten in den 80ern Standarts, die man als junge deutsche Galerie kaum erfüllen konnte.
Das Scheitern der Realisierung einer Haiskulptur, die sie schon Jahre vor Damien Hirst konzipiert hatte, führte letztlich zu unserer Trennung. Die Galerie hatte, damals noch ohne Internet, einen zwei Meter langen ausgestopften Hai zu organisieren und eine Firma zu finden, die ihn in Plexiglas gießen kann. Irgendwo auf der Welt war das vielleicht zu finden, aber, ganz abgesehen von den Problemen bezüglich technischer Fragen, Transport, Zoll, Artenschutz und der Finanzen, war beides trotz tausender Telephonate nicht aufzutreiben.
Die zweite Künstlerin war Elke Denda. Ihre Auseinandersetzung mit dem Ornament glich einem Sakrileg, das weder diskurs-noch marktfähig war. Die große Zahl schwuler Verehrer und Sammler genügte nicht, um ihre Arbeit fest zu etablieren. Auch die ersten Ausstellungen amerikanischer Künstlerinnen wie Karen Kilimnik, Sue Williams oder Maureen Gallace gingen in Nichtbeachtung unter. Corinne Wasmuht verließ die Galerie um sich in Berlin ein jüngeres Umfeld zu suchen.
Mit Candida Höfer verlief alles in perfektem Timing und beidseitiger Zufriedenheit.
Fotographie war ein von den Sammlern und vom Markt wenig beachtetes Medium. Die Fotographen sahen sich nicht in Konkurrenz zu den Künstlern in etablierten Medien, insbesondere zu den Blitzkarrieren von Jeff Koons, Reinhard Mucha oder einiger Maler. Die Anerkennung verlief langsam aber stetig, ebenso die Verkäufe. So blieb Candida Höfer immer von stoischer Gelassenheit gegenüber allen Trends und Hyps.
Wenig Interesse, wenig Verkäufe. „Ist sie so blöd oder tut sie nur so?“ schrieb ein
bekannter Kritiker anläßlich einer Ausstellung. Oder „Aua,aua, aua, nichts wie weg“. Das ist heute kaum noch vorstellbar. Die Situation hat sich seit damals grundlegend geändert. Öffentlichkeit und Kritik sind sensibilisiert für den anderen Blick der Frauen. So bietet diese Ausstellung eine Gelegenheit, vor dem Erfahrungshorizont einer veränderten Welt, in welcher einseitige Offensiven weniger geschätzt werden und „reziproke Hemmungen, Rückkoppelungen und Kooperationen den modus operandi des postmodernen Weltzusammenhangs als solchen ausmachen“ (Sloterdijk) , sich nochmals mit den Arbeiten dieser Künstlerinnen zu befassen.
 

Tags: Katharina Fritsch, Maureen Gallace, Damien Hirst, Candida Höfer, Karen Kilimnik, Jeff Koons, Reinhard Mucha, Thomas Ruff, Corinne Wasmuht, Sue Williams